Nicht geführt, aber gehalten

Immer wieder erzählen mir Menschen von ihrer Überzeugung, Gott würde sie führen. Er sei es, der auswähle, welche Erfahrungen sie (und auch andere Menschen) zu machen hätten. Das hätten sie schon oft in ihrem Leben erlebt.

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Bei guten Erfahrungen sind diese Menschen dafür oft dankbar und haben ein großes Vertrauen in die Zukunft. Bei harten Erfahrungen, zum Beispiel einer schweren Erkrankung in jungen Jahren oder dem Verlust eines Kindes, sind die Reaktionen oft zwiegespalten:

Zum einen sind da Zweifel, Zorn oder Auflehnung, weil sie dann doch nicht annehmen wollen, dass Gott für so etwas Hartes (mit-) verantwortlich sei. Zum anderen gibt es auch einen Trost, der in der Überzeugung ruht, dass es ja Gott sei, der sie in diese schwierige Situation geführt habe, und dass, weil Gott ja gut ist, darin doch auch etwas Gutes liegen müsse, ein Sinn, der sich vielleicht erst später ergeben würde.

Andere gehen diesen letzten Schritt nicht mit. Für sie führt so eine Erfahrung zu einer echten Glaubenskrise, etwa zu dem Schluss, einen Gott, der so böse ist, könne es nicht geben.

Ich selber teile das Entsetzen über das Leiden in dieser Welt. Weiterlesen

Aus Nächstenliebe Krieg führen?

Gedanken zu einer Theorie des gerechten Krieges

Wie ich in meinem Post im Mai begründet habe, ist nach meiner Überzeugung inhaltliches Kriterium jeglicher christlicher Ethik, dass sie dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet ist. Dieses hat aus meiner Sicht auch Vorrang vor allen biblischen Einzelanweisungen und sollte helfen, diese zu interpretieren und auszulegen. Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, was dies für die Auseinandersetzung um Krieg und Frieden, Rüstung und Militär zu bedeuten hat.

Offensichtlich ist, dass Christen in dieser Angelegenheit zu recht unterschiedlichen Einschätzungen gekommen sind. Hat sich die Urchristenheit weitgehend des Kriegsdienstes enthalten, wurde später der Staat in seiner Funktion, Gewalt zu begrenzen, als gutes Instrument Gottes wahrgenommen und ihm in diesem Rahmen das Recht zugestanden, in einem begrenzten Umfang auch militärische Gewalt auszuüben. Dabei wurden die Bedingungen dafür, dass ein militärisches Eingreifen erlaubt sein könnte, zwar unterschiedlich definiert, betrafen aber immer einerseits den Kriegsgrund (der ein gerechter sein musste wie Selbstverteidigung oder Nothilfe, nicht jedoch Eroberung oder Mission), andererseits die Kriegsführung (vorheriges Angebot einer friedlichen Lösung, Verhältnismäßigkeit der Mittel, Schonung der Zivilbevölkerung, Schonung des besiegten Gegners etc.) und schließlich auch die realistische Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen.1 Weiterlesen

Die Einheit des Christentums…

Die Einheit des Christentums….

Der obige Beitrag bringt es aus meiner Sicht auf den Punkt. Die Einheit des Christentums entsteht nicht durch Einförmigkeit der Meinungen noch durch autoritäre Vorgaben, sondern durch ein gegenseitiges Ernstnehmen auch im Dissens und eine Streitkultur, die das  Ringen um Wahrheit ernst nimmt, die andere Seite menschlich achtet und um und um die eigene Fehlbarkeit weiß.

In diesem Sinne wünsche ich mir eine entwickeltere Streitkultur in unserer Kirche, aber auch unter den Konfessionen.

 

Ethik biblisch begründen?

An vielen Stellen lese ich, eine Handlungsmaxime sei biblisch begründet. Ich tue mich schwer damit. Schon angesichts sich diametral widersprechender Positionen, die diese biblische Begründung für sich in Anspruch nehmen, wie z.B.

  • die Verurteilung homosexueller Praktiken oder das Eintreten für gleiche Rechte unabhängig von der sexuellen Orientierung,
  • ein strikter Pazifismus oder eine Theologie der Revolution, die Rechtfertigung der Selbstverteidigung oder die sogenannten „Responsibility to Protect“,
  • die Ablehnung oder die Forderung nach Todesstrafe usw.

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Jesus in der Nacht, in der er verraten ward – oder die Freiheit, sich selbst treu zu sein

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Man kann Jesu Tod (und seine Auferstehung) so deuten:

Alles ist vom Anfang der Welt an bestimmt. Gott weiß, wie böse die Menschen werden werden und dass er sie erlösen will. Deshalb schickt er seinen Sohn auf die Erde. Alle spielen ihre Rollen, alle werden dafür belohnt oder verdammt. Letztlich haben sie keine Wahl, müssen aber die Folgen ihres Handelns tragen: Der Ton frage nicht den Töpfer, warum er welches Werkstück daraus macht. (Röm 9,19ff.)

Ja, diese Vorstellung ist durchaus im Neuen Testament selbst angelegt, ihre Konsequenzen werden diskutiert, aber glauben mag ich sie nicht. Weiterlesen

„Zur Freiheit befreit“

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was für mich die wichtigste Bibelstelle sei. Spontan habe ich geantwortet:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht das Joch der Knechtschaft auflegen!“
(Gal 5,1)

Das Evangelium ist Freiheit. Und diese Freiheit hat mich in meinem Leben begleitet. Sie hat mich inspiriert, allen Einengungen durch andere etwas entgegenzusetzen und mein Leben in Verantwortung und Liebe zu gestalten – folgend dem anderen Paulus-Satz:

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen.“ (I Kor 6,12)

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