Äußerstes Glück?

Das Buch, das mich in diesem Sommer am meisten berührt hat, ist der neue Roman von Arundhati Roy, „The Ministry of Utmost Happiness“, wobei der deutsche Titel: „Das Ministerium des höchsten Glücks“ wohl eher etwas in die Irre führt. Denn von einer staatlichen Einrichtung erwartet die in hohen Maße staats- und sozialkritische Autorin sicher kein Bemühen um das Glück seiner Bürger. Dafür ist dann schon eher der für seine unbändige (homoerotische) Liebe bekannte und hingerichtete Sufi-Heilige Hazrat Nizamuddin zuständig, dessen Mausoleum im Herzen von Delhi für diese Geschichte eine wichtige Rolle spielt.

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Aber um Glück geht es schon in diesem Buch, genauer um die Frage, wie Glück möglich ist – in einer Welt, wie sie ist, mit all ihrer Armut, ihren Grausamkeiten, ihrer Gewalt. Und genau da wird dieses Buch, auch wenn es in Indien spielt und all die sozialen Konflikte aufgreift, in denen sich Roy in den letzten 20 Jahren engagiert hat, zu meinem Buch. Weiterlesen

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Postfaktisches Zeitalter?

In der letzten Zeit ist immer wieder  von einem „postfaktischen Zeitalter“ die Rede, und das Wort „postfaktisch“ wurde ja auch zum Wort des Jahres 2016 gewählt (vgl. http://gfds.de/wort-des-jahres-2016/). Ich empfehle da Vorsicht.

Wenn dieser Begriff rein beschreibend die Tatsache aufgreift, dass es im Moment auch in den westlichen Demokratien mehr PolitikerInnen gibt, die sich wie Donald Trump offen nicht darum kümmern, ob ihre Behauptungen wahr sind und damit einen mehr oder weniger großen Erfolg haben, dann hat dieser Gebrauch eine gewisse Berechtigung.

Pinocchio - von Enrico Mazzanti (1852-1910)

Pinocchio – von Enrico Mazzanti (1852-1910)

Trotzdem möchte ich davor warnen, weil der Begriff „Zeitalter“ aus meiner Sicht suggeriert, dass die, denen die Fakten egal sind, damit Recht hätten (was eine moralische Beurteilung ist, die ich in keiner Weise teile) und damit zugleich so viel Erfolg hätten, dass sie ein ganzes Zeitalter prägen könnten (was zwar nicht auszuschließen, aber eben noch sehr offen ist). Außerdem legt der Begriff auch noch nahe, dass das Absehen von Fakten (also die öffentliche Lüge) etwas Neues sei.

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An Gott glauben oder an Elfen? – Brief an einen Großneffen

Als ich kürzlich auf meinen Großneffen, nennen wir ihn Frodo, traf, stellte er mir beim Abendessen im großen Familienkreis die Frage: Hanno, glaubst du an Gott? Dazu muss man wissen, dass Frodo zur atheistischen Fraktion der großen Familie meiner Frau gehört, im Konfirmandenalter ist, nicht getauft, aber äußert aufgeweckt und an allen philosophischen Fragen interessiert. „Klar“, sage ich, „klar glaube ich an Gott.“ „Warum?“, fragt er. „Warum nicht?“, gebe ich zurück, und erzähle dann etwas von dem, was mich zum Glauben gebracht hat.

Schnell entspannt sich eine muntere Diskussion: „Glaubst du auch an Geister?“ Und sein Vater meint, klar könne man Gottes Nicht-Existenz nicht beweisen, das könne man aber auch nicht mit der Nicht-Existenz von Elfen. Das sei aber kein Grund, die Existenz von Elfen ernsthaft in Betracht zu ziehen.

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Tanzende Elfen, Gemälde von August Malmström, 1866

Spätestens hier merke ich, dass die Frage an den Glauben an Gott mehr Zeit und Tiefe braucht, als zwischen zwei Gängen möglich ist, und dass sie mich inspiriert, auch noch einmal selber nachzudenken, nachzufühlen und meine Haltung präziser zu beschreiben.

Ergebnis ist dieser Brief:

Lieber Frodo,

du hast mich gefragt, ob ich an Gott glaube. Ich habe das spontan bejaht, aber du hast gemerkt, dass es mir nicht leicht fiel, genau zu sagen, was ich damit meine. Da ich aber möchte, dass du eine Chance hast, zu verstehen, was Christen wirklich denken, will ich versuchen, meine Gedanken noch einmal zu präzisieren.

Wie du ja weißt, glauben Christen, dass Gott diese Welt geschaffen hat. Und die aufgeklärteren meinen damit nicht nur diese Erde, sondern das Universum als Ganzes. Also möglicherweise den Urknall, auf jeden Fall aber Raum und Zeit. Und damit ist klar, dass Gott nicht einfach ein Wesen in Raum und Zeit sein kann, denn dann wäre er ja nicht der Schöpfer von Raum und Zeit. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von allen Wesen dieses Universums, Löwen und Elfen, Menschen und Dinosauriern. Weiterlesen

Nicht geführt, aber gehalten

Immer wieder erzählen mir Menschen von ihrer Überzeugung, Gott würde sie führen. Er sei es, der auswähle, welche Erfahrungen sie (und auch andere Menschen) zu machen hätten. Das hätten sie schon oft in ihrem Leben erlebt.

Logo SdkGG

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Bei guten Erfahrungen sind diese Menschen dafür oft dankbar und haben ein großes Vertrauen in die Zukunft. Bei harten Erfahrungen, zum Beispiel einer schweren Erkrankung in jungen Jahren oder dem Verlust eines Kindes, sind die Reaktionen oft zwiegespalten:

Zum einen sind da Zweifel, Zorn oder Auflehnung, weil sie dann doch nicht annehmen wollen, dass Gott für so etwas Hartes (mit-) verantwortlich sei. Zum anderen gibt es auch einen Trost, der in der Überzeugung ruht, dass es ja Gott sei, der sie in diese schwierige Situation geführt habe, und dass, weil Gott ja gut ist, darin doch auch etwas Gutes liegen müsse, ein Sinn, der sich vielleicht erst später ergeben würde.

Andere gehen diesen letzten Schritt nicht mit. Für sie führt so eine Erfahrung zu einer echten Glaubenskrise, etwa zu dem Schluss, einen Gott, der so böse ist, könne es nicht geben.

Ich selber teile das Entsetzen über das Leiden in dieser Welt. Weiterlesen

Aus Nächstenliebe Krieg führen?

Gedanken zu einer Theorie des gerechten Krieges

Wie ich in meinem Post im Mai begründet habe, ist nach meiner Überzeugung inhaltliches Kriterium jeglicher christlicher Ethik, dass sie dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet ist. Dieses hat aus meiner Sicht auch Vorrang vor allen biblischen Einzelanweisungen und sollte helfen, diese zu interpretieren und auszulegen. Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, was dies für die Auseinandersetzung um Krieg und Frieden, Rüstung und Militär zu bedeuten hat.

Offensichtlich ist, dass Christen in dieser Angelegenheit zu recht unterschiedlichen Einschätzungen gekommen sind. Hat sich die Urchristenheit weitgehend des Kriegsdienstes enthalten, wurde später der Staat in seiner Funktion, Gewalt zu begrenzen, als gutes Instrument Gottes wahrgenommen und ihm in diesem Rahmen das Recht zugestanden, in einem begrenzten Umfang auch militärische Gewalt auszuüben. Dabei wurden die Bedingungen dafür, dass ein militärisches Eingreifen erlaubt sein könnte, zwar unterschiedlich definiert, betrafen aber immer einerseits den Kriegsgrund (der ein gerechter sein musste wie Selbstverteidigung oder Nothilfe, nicht jedoch Eroberung oder Mission), andererseits die Kriegsführung (vorheriges Angebot einer friedlichen Lösung, Verhältnismäßigkeit der Mittel, Schonung der Zivilbevölkerung, Schonung des besiegten Gegners etc.) und schließlich auch die realistische Möglichkeit, den Krieg zu gewinnen.1 Weiterlesen

Die Einheit des Christentums…

Die Einheit des Christentums….

Der obige Beitrag bringt es aus meiner Sicht auf den Punkt. Die Einheit des Christentums entsteht nicht durch Einförmigkeit der Meinungen noch durch autoritäre Vorgaben, sondern durch ein gegenseitiges Ernstnehmen auch im Dissens und eine Streitkultur, die das  Ringen um Wahrheit ernst nimmt, die andere Seite menschlich achtet und um und um die eigene Fehlbarkeit weiß.

In diesem Sinne wünsche ich mir eine entwickeltere Streitkultur in unserer Kirche, aber auch unter den Konfessionen.

 

Ethik biblisch begründen?

An vielen Stellen lese ich, eine Handlungsmaxime sei biblisch begründet. Ich tue mich schwer damit. Schon angesichts sich diametral widersprechender Positionen, die diese biblische Begründung für sich in Anspruch nehmen, wie z.B.

  • die Verurteilung homosexueller Praktiken oder das Eintreten für gleiche Rechte unabhängig von der sexuellen Orientierung,
  • ein strikter Pazifismus oder eine Theologie der Revolution, die Rechtfertigung der Selbstverteidigung oder die sogenannten „Responsibility to Protect“,
  • die Ablehnung oder die Forderung nach Todesstrafe usw.

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Jesus in der Nacht, in der er verraten ward – oder die Freiheit, sich selbst treu zu sein

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Man kann Jesu Tod (und seine Auferstehung) so deuten:

Alles ist vom Anfang der Welt an bestimmt. Gott weiß, wie böse die Menschen werden werden und dass er sie erlösen will. Deshalb schickt er seinen Sohn auf die Erde. Alle spielen ihre Rollen, alle werden dafür belohnt oder verdammt. Letztlich haben sie keine Wahl, müssen aber die Folgen ihres Handelns tragen: Der Ton frage nicht den Töpfer, warum er welches Werkstück daraus macht. (Röm 9,19ff.)

Ja, diese Vorstellung ist durchaus im Neuen Testament selbst angelegt, ihre Konsequenzen werden diskutiert, aber glauben mag ich sie nicht. Weiterlesen

„Zur Freiheit befreit“

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was für mich die wichtigste Bibelstelle sei. Spontan habe ich geantwortet:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht das Joch der Knechtschaft auflegen!“
(Gal 5,1)

Das Evangelium ist Freiheit. Und diese Freiheit hat mich in meinem Leben begleitet. Sie hat mich inspiriert, allen Einengungen durch andere etwas entgegenzusetzen und mein Leben in Verantwortung und Liebe zu gestalten – folgend dem anderen Paulus-Satz:

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen.“ (I Kor 6,12)

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