Wird die Widerspruchlösung das Problem des „Organmangels” beseitigen?

Ein von Teilen der SPD unterstützter  Vorschlag des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn sieht vor, dass jede und jeder Hirntote zum Organspender werden könnte, wenn nicht er selbst oder ihre Angehörige dem ausdrücklich widersprochen hätten (vgl. z. B. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/spd-begruesst-jens-spahn-vorstoss-zur-organspende-15769055.html.) Aber auch unabhängig von der ethischen Frage, ob es gerechtfertigt ist, diesen massiven Eingriff in den Sterbe- und Trauerprozess staatlich mehr oder weniger zum Pflichtprogramm zu machen, habe ich mit Blick auf die Zahlen der Organentnahmen in Europa erhebliche Zweifel, ob die Gesetzesänderung das Problem lösen wird.

organspendeausweis

So weist in der Statistik zwar Spanien (mit Widerspruchslösung) mit einer Rate von 43,4 Spendern pro Millionen Einwohnern die höchste Entnahmequote auf, allerdings werden dort auch nicht nur hirntoten Menschen Organe entnommen, sondern schon Personen nach einem Herzstillstand. Umgekehrt liegt Russland (ebenfalls mit Widerspruchslösung) mit 3,3 Spendern pro Millionen Einwohnern mit am Ende der Skala, während Kroatien mit eine Einwilligungslösung mit 38,6 Spendern an zweiter Stelle liegt. (Zahlen von 2016, entnommen der Statistik unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/226978/umfrage/anzahl-postmortaler-organspender-in-ausgewaehlten-laendern/, Informationen zur jeweiligen Rechtslage unter https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/europa-regelungen.)

Ethisch finde ich am Vorschlag von Spahn zwar sympathisch, dass er den Angehörigen zumindest ein Widerspruchsrecht zusprechen will und sich damit der jetzigen Situation ja wieder annähert; praktisch wirft das aber neue Fragen auft: Wie intensiv muss sich das entnehmende Krankenhaus bemühen, Angehörige zu erreichen? Auf wen genau ist zu hören, es unterschiedliche Meinungen gibt? Etc.

Mir erscheint da immer noch mein Vorschlag vom November stimmiger, nämlich ein Organspenderegister einzuführen, in das sich jeder eintragen kann, der bereit ist, ggf. seine Organe zur Verfügung zu stellen, und diese Personen im Falle der Wunsches, Organe zu empfangen, klar zu bevorzugen. (Mehr unter https://krankenhauspfarrer.net/2017/11/13/plaedoyer/

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Weihnachten im Advent?

Natürlich kann man schon im Advent Weihnachten feiern. Da ist man frei. Es gibt kein Gesetz, das das verbietet. Schließlich ist die Geburt Christi schon 2000 Jahre her, seinen genauen Geburtstag weiß sowieso niemand, und von daher kann man sich über sein Kommen jeden Tag freuen, im November, im Dezember oder im Juli.

Die kirchliche Tradition betont in dieser Zeit allerdings das Warten, und das in doppelter Weise. Zum einen das Warten auf das Fest, zum anderen das Warten auf die endgültige Erlösung.

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Maria durch den Dornwald ging …

Wie gesagt, ob man nun auf das Fest warten oder vorfeiern will, ist Geschmackssache. Anders ist das mit der Frage nach der endgültigen Erlösung. Denn dass sich mit der Ankunft Jesu in der Welt alles zum Guten gewendet hätte, kann angesichts des natur- und menschengemachten Elends wohl niemand behaupten.

Das haben schon die ersten Christen gemerkt und deshalb erwartet, dass Jesus ganz schnell wiederkommen und dann die endgültige Erlösung bringen würde: eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Tränen (Offb.21,4). Weiterlesen

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann …

Predigt im Lukas-Krankenhaus Bünde über die Leipziger Karte „Herbstblatt“ (Nr 421_0) und Mt 11,28-30 zu den Gedächtnisgottesdiensten Herbst 2014

Gnade sei mit Euch und Friede von dem der da ist, und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

auf der Suche nach einer Karte für die Gottesdienste zum Gedächtnis der verstorbenen Patienten unseres Krankenhauses bin ich auf eine Karte mit einem Text von Dietrich Bonhoeffer gestoßen, den er in einem Brief zum Heiligabend 1943 aus dem Gestapo-Gefängnis heraus geschrieben hat.

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen …
Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht mehr wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“
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