„Jauchzet Gott, wie wunderbar sind deine Werke!“

Predigt zu einem Gottesdienst mit Handauflegen im Lukas-Krankenhaus  über Ps 66,1-9 und Apg 17,22-28 am Vorabende des Sonntags Rogate 2019

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Die Lesung für diesen Gottesdienst steht in der Apostelgeschichte im 17. Kapitel:

Paulus stand nun mitten auf dem Areopag und sagte: »Ihr Leute von Athen, ich sehe, wie außerordentlich religiös ihr in jeder Hinsicht seid. Denn als ich hier umherging und mir ansah, was ihr verehrt, fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: ›Der unbekannten °Gottheit‹. Was ihr nun im Bewusstsein, es nicht zu kennen, verehrt, das verkündige ich euch. Gott hat die Welt und alles in ihr gemacht, herrscht über Himmel und Erde, Gott wohnt nicht in von Händen gemachten Tempeln, lässt sich auch nicht von Menschenhänden versorgen, hat nichts nötig, gibt doch selbst allen Leben, Atem und alles. Gott machte aus einem einzigen Menschen das gesamte Menschengeschlecht, zu beleben das ganze Antlitz der Erde, bestimmte die Rhythmen der Zeit und begrenzte die Räume zum Leben. So sollten sie suchen, ob sie wohl °Gott ertasteten und fänden; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. Denn in Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir. So haben es auch einige von euch poetisch zum Ausdruck gebracht: ›Denn von solcher Art sind auch wir.‹  (Übersetzung Luther 2017)

Liebe Gemeinde,
als ich darüber nachgedacht habe, welchen biblischen Text ich zur Grundlage meiner heutigen Predigt machen sollte, habe ich länger überlegen müssen. Denn schnell war deutlich, es gibt in der Bibel nicht die eine Grundlage für das Handauflegen.

Klar ist, dass das Neue Testament und insbesondere die Evangelien und die Apostelgeschichte davon sprechen, dass erst Jesus, dann aber auch seine Jünger und manche frühe Christinnen und Christen anderen die Hände aufgelegt haben und diese gesund wurden (vgl. z. B. Mk 6,5, Mk 8,23, Mk 16,18, Lk 4,40, Lk 13,13, Apg 9,17). Klar ist auch, dass in der Apostelgeschichte immer wieder davon erzählt wird, dass über das Handauflegen Gottes Geist an andere weitergegeben wurde (vgl. z. B. Apg, 6,6, Apg 8,17, Apg 19,6, Apg 28,8) . Weiterlesen

Weihnachten im Advent?

Natürlich kann man schon im Advent Weihnachten feiern. Da ist man frei. Es gibt kein Gesetz, das das verbietet. Schließlich ist die Geburt Christi schon 2000 Jahre her, seinen genauen Geburtstag weiß sowieso niemand, und von daher kann man sich über sein Kommen jeden Tag freuen, im November, im Dezember oder im Juli.

Die kirchliche Tradition betont in dieser Zeit allerdings das Warten, und das in doppelter Weise. Zum einen das Warten auf das Fest, zum anderen das Warten auf die endgültige Erlösung.

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Maria durch den Dornwald ging …

Wie gesagt, ob man nun auf das Fest warten oder vorfeiern will, ist Geschmackssache. Anders ist das mit der Frage nach der endgültigen Erlösung. Denn dass sich mit der Ankunft Jesu in der Welt alles zum Guten gewendet hätte, kann angesichts des natur- und menschengemachten Elends wohl niemand behaupten.

Das haben schon die ersten Christen gemerkt und deshalb erwartet, dass Jesus ganz schnell wiederkommen und dann die endgültige Erlösung bringen würde: eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Tränen (Offb.21,4). Weiterlesen

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann …

Predigt im Lukas-Krankenhaus Bünde über die Leipziger Karte „Herbstblatt“ (Nr 421_0) und Mt 11,28-30 zu den Gedächtnisgottesdiensten Herbst 2014

Gnade sei mit Euch und Friede von dem der da ist, und der da war und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

auf der Suche nach einer Karte für die Gottesdienste zum Gedächtnis der verstorbenen Patienten unseres Krankenhauses bin ich auf eine Karte mit einem Text von Dietrich Bonhoeffer gestoßen, den er in einem Brief zum Heiligabend 1943 aus dem Gestapo-Gefängnis heraus geschrieben hat.

Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen …
Je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht mehr wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“
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