Die Freiheit des Lachens

In den Zeiten von Karneval und den Angriffen muslimischer Extremisten auf Charlie Hebdo habe ich mir die Frage gestellt, wie eigentlich die Bibel zum Lachen steht. Ganz leicht zu beurteilen ist das nicht, denn viele ihrer Witze und Anspielungen verstehen wir gar nicht mehr (so bei der satirischen Königswahl in Richter 9 oder dem Spott über die (auf das römische Militär anspielende) „Legion” böser Geister (Markus 5), die in die Schweineherde fährt). Aber es gibt biblischen Spott und biblische Satire, und ihre Aufgabe war es, wie heute auch, menschlich problematische Zustände zu kritisieren. Und die einen werden darüber gelacht haben, und die anderen sind wohl darüber verärgert gewesen.

PfarrerwitzGut ist es, wenn es die Schwachen sind, die lachen können, und die Starken, die sich ärgern. Sich über einen am Boden Liegenden lustig zu machen, ist genauso menschenverachtend, wie auf einen Besiegten einzutreten. (Das unterscheidet Judenwitze von jüdischen Witzen.) Aber alle, die Menschen unterdrücken oder Gewalt und Zwang propagieren, haben Spott und Satire verdient, egal ob es Politiker, Wirtschaftsführer, Militärs oder Kirchenleute sind. Weiterlesen

Ethik biblisch begründen?

An vielen Stellen lese ich, eine Handlungsmaxime sei biblisch begründet. Ich tue mich schwer damit. Schon angesichts sich diametral widersprechender Positionen, die diese biblische Begründung für sich in Anspruch nehmen, wie z.B.

  • die Verurteilung homosexueller Praktiken oder das Eintreten für gleiche Rechte unabhängig von der sexuellen Orientierung,
  • ein strikter Pazifismus oder eine Theologie der Revolution, die Rechtfertigung der Selbstverteidigung oder die sogenannten „Responsibility to Protect“,
  • die Ablehnung oder die Forderung nach Todesstrafe usw.

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Was ist eine gute Patientenverfügung?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich klarmachen, dass eine Patientenverfügung trotz aller juristischen Implikationen in erster Linie ein Mittel der Kommunikation ist. Es geht darum deutlich zu machen, was ich in bestimmten Situationen an medizinischer Behandlung möchte und was nicht, so dass dies die behandelnden Ärzte und mein Betreuer bzw. meine Bevollmächtigte verstehen und nachvollziehen können. Sie sollen gegebenenfalls Entscheidungen über Leben und Tod treffen, von daher sind sie darauf angewiesen, dass ich mich so klar wie möglich ausdrücke.

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„Zur Freiheit befreit“

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was für mich die wichtigste Bibelstelle sei. Spontan habe ich geantwortet:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht das Joch der Knechtschaft auflegen!“
(Gal 5,1)

Das Evangelium ist Freiheit. Und diese Freiheit hat mich in meinem Leben begleitet. Sie hat mich inspiriert, allen Einengungen durch andere etwas entgegenzusetzen und mein Leben in Verantwortung und Liebe zu gestalten – folgend dem anderen Paulus-Satz:

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen.“ (I Kor 6,12)

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Ein neues Blog

Hanno PaulEin Blog. Ein Versuch. Ich will meine Stimme erheben auch in der Blogosphäre. Ich will eintreten für die Freiheit, für das Denken, für den Glauben. Will Ethik fördern, also das Nachdenken darüber, welches Handeln „gut“ sein könnte: menschlich, das heißt im Einklang mit Gottes Schöpfungshandeln, im Einklang mit dem, was Jesus uns vorgelebt hat, im Einklang mit dem, was lebensfördernd ist, für andere und für mich selbst.

Als Pfarrer will ich bloggen. Als evangelischer Theologe. Als Krankenhausseelsorger. Als Pastoralpsychologe. Als Bürger. Als Mensch.

Ich will mich nicht übernehmen. Ich will dann bloggen, wenn ich etwas zu sagen habe.

Es ist ein Experiment. Auf Reaktionen bin ich gespannt.