Ethik biblisch begründen?

An vielen Stellen lese ich, eine Handlungsmaxime sei biblisch begründet. Ich tue mich schwer damit. Schon angesichts sich diametral widersprechender Positionen, die diese biblische Begründung für sich in Anspruch nehmen, wie z.B.

  • die Verurteilung homosexueller Praktiken oder das Eintreten für gleiche Rechte unabhängig von der sexuellen Orientierung,
  • ein strikter Pazifismus oder eine Theologie der Revolution, die Rechtfertigung der Selbstverteidigung oder die sogenannten „Responsibility to Protect“,
  • die Ablehnung oder die Forderung nach Todesstrafe usw.

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Jesus in der Nacht, in der er verraten ward – oder die Freiheit, sich selbst treu zu sein

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Man kann Jesu Tod (und seine Auferstehung) so deuten:

Alles ist vom Anfang der Welt an bestimmt. Gott weiß, wie böse die Menschen werden werden und dass er sie erlösen will. Deshalb schickt er seinen Sohn auf die Erde. Alle spielen ihre Rollen, alle werden dafür belohnt oder verdammt. Letztlich haben sie keine Wahl, müssen aber die Folgen ihres Handelns tragen: Der Ton frage nicht den Töpfer, warum er welches Werkstück daraus macht. (Röm 9,19ff.)

Ja, diese Vorstellung ist durchaus im Neuen Testament selbst angelegt, ihre Konsequenzen werden diskutiert, aber glauben mag ich sie nicht. Weiterlesen

Was ist eine gute Patientenverfügung?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich klarmachen, dass eine Patientenverfügung trotz aller juristischen Implikationen in erster Linie ein Mittel der Kommunikation ist. Es geht darum deutlich zu machen, was ich in bestimmten Situationen an medizinischer Behandlung möchte und was nicht, so dass dies die behandelnden Ärzte und mein Betreuer bzw. meine Bevollmächtigte verstehen und nachvollziehen können. Sie sollen gegebenenfalls Entscheidungen über Leben und Tod treffen, von daher sind sie darauf angewiesen, dass ich mich so klar wie möglich ausdrücke.

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Das Augenmaß wahren – Zur Diskussion um die Verschärfung der Gesetze zum unterstützten Suizid

Immer wenn in den letzten Jahren die Frage von Sterbehilfe, der Tötung auf Verlangen oder der Beihilfe zum Suizid im Raum stand, hat sich eine heftige Diskussion entwickelt, die aus meiner Sicht von vielen Seiten oft unsachlich, von manchen gar beleidigend geführt wird. Dabei stehen auf der einen Seite Kräfte, die die Beihilfe zum Suizid erleichtern (und manche auch die Tötung auf Verlangen legalisieren) wollen. Sie fühlen sich bevormundet und unterstellen zum Teil konträren Positionen egoistische finanzielle Motive oder wollen den Kirchen gar das Recht zur Stellungnahme absprechen. Auf der anderen Seite finde ich Stellungnahmen von Kirchen oder Politikern, die z.B. in einer  ihnen nicht weit genug gehenden Verschärfung des Gesetzes zur Beihilfe zum Suizid gleich den Weg in die Freigabe der aktiven Sterbehilfe und als Preisgabe der Menschenwürde sehen.

Aus meiner Sicht wird beides der Komplexität der Sache nicht gerecht. Ich will mit diesem Beitrag zur Selbstreflexion und zum Dialog anregen. Dazu werde ich thesenhaft formulieren, (I.) welche ethischen Grundsätze ich bezüglich dieses Themas als Staatsbürger für wichtig und vielleicht auch für über viele Grenzen hinweg konsensfähig halte, (II.) welche zusätzlichen Aspekte sich aus meiner Sicht aus dem christlichen Glauben ergeben, (III.) wie ich die aktuelle Lage in Deutschland einschätze und (IV.) welche Konsequenzen dies aus meiner Sicht für die Frage der Gesetzgebung in Deutschland hat. Weiterlesen

Auch ein Aspekt zum Thema lebenswertes Leben

Betreuungskraft in der AltenpflegeAuch wenn gute Betreuung und Medizin nicht alle Probleme von Alter, Krankheit und Sterben lösen, so sollten wir doch Bedingungen schaffen, die diese Lebensphase erleichtern. Dazu gehört auch eine anständige Bezahlung der Pflegenden.

Dass da gerade neuer Handlungsbedarf entsteht, dazu die die Stellungnahme des Johanneswerks zur den Vorstellungen des Koaltionsvertrages zu zusätzlichen Betreuungskräften für Menschen mit Demenz.

http://johanneswerk.de/de/kommunikation/aktuelles/weitere-news/news/article/koalitionsvertrag-wohltaten-mit-bitterem-beigeschmack.html

Advance Care Planning – das einlösen, was Patientenverfügungen versprechen

titelbildDass die eigenen Werte und Wünsche am Lebensende im Rahmen des Möglichen umgesetzt werden, das ist das Ziel einer Patientenverfügung. Ein Ziel, das häufig nicht erreicht wird. Die Hindernisse sind vielfältig:

  • Viele Menschen denken über Patientenverfügungen zwar nach, erstellen sie dann aber doch nicht, denn das Thema erschien dann doch zu fern oder zu kompliziert oder zu belastend. Weiterlesen

„Zur Freiheit befreit“

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, was für mich die wichtigste Bibelstelle sei. Spontan habe ich geantwortet:

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht das Joch der Knechtschaft auflegen!“
(Gal 5,1)

Das Evangelium ist Freiheit. Und diese Freiheit hat mich in meinem Leben begleitet. Sie hat mich inspiriert, allen Einengungen durch andere etwas entgegenzusetzen und mein Leben in Verantwortung und Liebe zu gestalten – folgend dem anderen Paulus-Satz:

„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen.“ (I Kor 6,12)

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Ein neues Blog

Hanno PaulEin Blog. Ein Versuch. Ich will meine Stimme erheben auch in der Blogosphäre. Ich will eintreten für die Freiheit, für das Denken, für den Glauben. Will Ethik fördern, also das Nachdenken darüber, welches Handeln „gut“ sein könnte: menschlich, das heißt im Einklang mit Gottes Schöpfungshandeln, im Einklang mit dem, was Jesus uns vorgelebt hat, im Einklang mit dem, was lebensfördernd ist, für andere und für mich selbst.

Als Pfarrer will ich bloggen. Als evangelischer Theologe. Als Krankenhausseelsorger. Als Pastoralpsychologe. Als Bürger. Als Mensch.

Ich will mich nicht übernehmen. Ich will dann bloggen, wenn ich etwas zu sagen habe.

Es ist ein Experiment. Auf Reaktionen bin ich gespannt.