Weihnachten im Advent?

Natürlich kann man schon im Advent Weihnachten feiern. Da ist man frei. Es gibt kein Gesetz, das das verbietet. Schließlich ist die Geburt Christi schon 2000 Jahre her, seinen genauen Geburtstag weiß sowieso niemand, und von daher kann man sich über sein Kommen jeden Tag freuen, im November, im Dezember oder im Juli.

Die kirchliche Tradition betont in dieser Zeit allerdings das Warten, und das in doppelter Weise. Zum einen das Warten auf das Fest, zum anderen das Warten auf die endgültige Erlösung.

maria-durch-dornwald

Maria durch den Dornwald ging …

Wie gesagt, ob man nun auf das Fest warten oder vorfeiern will, ist Geschmackssache. Anders ist das mit der Frage nach der endgültigen Erlösung. Denn dass sich mit der Ankunft Jesu in der Welt alles zum Guten gewendet hätte, kann angesichts des natur- und menschengemachten Elends wohl niemand behaupten.

Das haben schon die ersten Christen gemerkt und deshalb erwartet, dass Jesus ganz schnell wiederkommen und dann die endgültige Erlösung bringen würde: eine Welt ohne Leid, ohne Schmerz, ohne Tränen (Offb.21,4).

Seitdem sind fast 2000 Jahre vergangen und die Welt hat sich nicht grundsätzlich geändert. Worauf also können wir vernünftiger Weise warten, wenn die Hoffnung, dass die große Zeitenwende gerade in unserer Lebenszeit passiert, doch wenig wahrscheinlich erscheint?

Ich glaube, es geht darum, die Erwartung ein bisschen niedriger zu schrauben und dafür zielgenauer. Nämlich zu hoffen, dass die Wende in mir selbst geschieht, dass – mit den Worten der Mystiker gesprochen – Gott in mein Herz einzieht, dass ich ergriffen werde von dem Bewusstsein, dass ich getragen und geliebt bin, und dass ich von daher meinen Teil dazu beitragen kann, dass auch andere Menschen diese Welt als einen sicheren und liebevollen Ort erleben.

Dann ist noch immer nicht die ganze Welt in Ordnung gebracht. Doch zumindest bei mir und in meiner Umgebung wird etwas davon spürbar, wie es auch sein könnte. Und manchmal breitet sich das ganz weit aus. Im Advent. Zu Weihnachten. Oder danach.

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Ein Gedanke zu „Weihnachten im Advent?

  1. Lieber Hanno,
    Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Diese Reduzierung auf die eigene Haltung, die eigene Lebensgestaltung ist vielleicht das einzige, was in dieser Zeit möglich ist. Gerade weil immer deutlicher wird, dass sich die Welt insgesamt nicht ändert. Aber Advent heißt für mich immer auch, die Hoffnung auf etwas das noch kommt, nicht aufzugeben. Etwas von außen, das nicht in meiner Macht steht. Etwas erwarten, daß auf mich, auf uns zukommt und des gut mit uns meint. Und das fängt klein an, in der Krippe und dementsprechend in jedem einzelnen Herzen….
    Einen gesegneten dritten Advent!
    Liebe Grüße
    Britta

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