Neuer Impuls in der Debatte um Organspenden

Im Vorfeld der gestrigen Bundestagsdebatte zur Organspende (in wichtigen Punkten zusammengefasst vom Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104184/Parlament-bei-Neuregelung-der-Organspende-gespalten) hat der neue Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt den Vorschlag gemacht, potenzielle Organspender*innen bei einem möglichen Organempfang zu bevorzugen und dabei auf entsprechende Regelungen in Israel verwiesen (vgl. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104048/Bundesaerztekammerpraesident-schlaegt-neue-Regeln-bei-Organspende-vor.) Ich selbst hatte ja, ohne die israelische Regelung zu kennen, Vergleichbares vorgeschlagen.

herztransplantation-nachspiel

Nachspiel der ersten Herztransplantation (Urheber: Tiiu Sild [Public domain])

Unverständlich finde ich, dass über diese Möglichkeit in Deutschland bisher so wenig diskutiert wird. Beide Kommentare, die ich im Internet zur israelischen Gesetzgebung fand, waren kritisch und beide für mich wenig einleuchtend.

So wird in einem kurzen Beitrag der Süddeutschen Zeitung von April 2012 als möglicher Kritikpunkt genannt, eine solche Regelung könnte der Kommerzialisierung Vorschub leisten. Ich sehe nicht wie.

Und die Deutsche Ärztezeitung berichtet in einem Beitrag von 6.1.2010 darüber, dass die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie das entsprechende Gesetz kritisiere. Es würde Menschen, die die Spende aus religiösen Gründen ablehnten, beim Empfang diskriminieren. Und tatsächlich würden diese Menschen beim Empfang von Organen benachteiligt. Aber mir leuchtet es nicht ein, dass solch Diskriminierung unberechtigt wäre. Denn, was für eine Haltung ist es, etwas empfangen zu wollen, was ich unter vergleichbaren Bedingungen zu geben, nicht bereit wäre?

Im übrigen gibt es dasselbe Prinzip längst bei Eurotransplant. Auch dort ist ein Kriterium die „nationale Organaustauschbilanz”, d. h. dass jedes Land in etwa so viele Organe empfangen soll, wie es auch zur Verfügung stellt. Als Konsequenz haben Menschen aus einem Land mit weniger Organspender*innen schlechtere Chancen, ein Organ zu empfangen, als Menschen aus einem Land mit relativ vielen. ‚Aus meiner Sicht ist die damit verbundene Diskriminierung eine größere als bei einem System, in dem sich jeder Mensch als Organspender registrieren lassen könnte und es damit selbst in der Hand hätte, in die bessere Kategorie zu wechseln, ohne sein Land verlassen zu müssen.

Von daher wünsche ich mir, dass durch die Äußerung von Reinhardt auch in Deutschland die Diskussion eine neue Richtung nimmt und so auf die Widerspruchslösung verzichtet wird.

 

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